Selbst gemachte Tagliatelle mit gedünsteten Rosenkohlblättern und einer Zitronen-Kümmel-Sauce

Tagliatelle mit RosenkohlblätternProfessor Caprese brachte mir heute Vormittag Rosenkohl aus seinem Garten vorbei.
»Oh – Rosenkohl mag ich nicht so. Das tut mir leid.«
»Warum? Er schmeckt doch wundervoll.«
Ich kannte Rosenkohl nur mit Kartoffeln und manchmal gab es auch ein paar Mandeln dazu. Das hatte mich geprägt. Ich hatte ihn regelrecht verdrängt. Für mich war er der röhrende Hirsch in der kulinarischen Landschaft.
»So kenne ich sie gar nicht, Signor Grün. Sonst haben Sie doch immer eine famose Idee. Kochen Sie den Rosenkohl doch so, wie sie ihn am liebsten mögen.« Er zwinkerte mir zu. Dann erzählte er mir noch, wie ein berühmter Fußballtrainer eine scheinbar völlig hoffnungslose Mannschaft sehr kreativ und originell neu aufgestellt und damit mit eine Meisterschaft gewonnen hatte. »Er hat sie einfach neu interpretiert.« Caprese lachte und kickte im Kochlabor mit einem imaginären Fußball herum, bis er aus der Puste gekommen war.
Der Professor hatte recht. Warum so schnell aufgeben. Man müsste den Rosenkohl einfach neu aufstellen.
»Kommen Sie heute Abend. Ich habe da so eine Idee.«
Ich sah die ersten Bilder: Tagliatelle mit etwas Kurkuma (ohne Ei und ohne Nudelmaschine zubereitet). Rosenkohlblätter in Butter gedünstet. Dazu eine Zitronen-Kümmel-Sauce. Was meinen Sie? Haben Sie Lust?


Zutaten (für zwei mittelgroße Portionen)

Für die Nudeln

Bereiten Sie eine Portion Nudelteig vor (ohne Ei und ohne Nudelmaschine), wie ich es hier beschreibe.
Geben Sie bitte zum Mehl noch 1 guten TL Kurkuma (am besten frisch gerieben) hinzu, das gibt den Tagliatelle einen schönen gelben Farbton.

Für die Sauce

20 g Butter
Salz
200 ml Sahne
1 guter TL frisch gemörserter oder gemahlener Kümmel
1 EL geriebene Schale einer Bio-Zitrone
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
10 g Butter für die Mehlbutter
1 EL Mehl für die Mehlbutter

Für die Rosenkohlblätter

250 g Rosenkohl
20 g Butter

Rosenkohblätter

Zubereitung

Zitronen-Künmelsauce

Ca. 15 Minuten vor der Zubereitung der Sauce: Verkneten Sie (ich mache das immer in einer Tasse) bitte 1 EL Mehl mit 10 g Butter zu einer Mehlbutter und stellen Sie diese in den Kühlschrank.

Die Butter in einer Pfanne zerlassen. Wenn sie leicht braun ist, eine Prise Salz darübergeben und dann mit der Sahne ablöschen. Den gemörserten (oder gemahlenen) Kümmel sowie den Abrieb der Zitrone dazugeben. Aufkochen lassen, dabei gut umrühren. Die Mehlbutter dazugeben und wieder gut umrühren. Es soll eine sämige Sauce entstehen. Das bewirkt das Mehl in der Mehlbutter. Die Hitze reduzieren und eventuell mit etwas Salz und frischem Pfeffer abschmecken. Mit dem Deckel abdecken und zur Seite stellen.

Für die Dekoration mit einem Zestenreißer oder einem Sparschäler, einem Messer ein paar Streifen von der Bio-Zitrone abziehen und abgedeckt zur Seite stellen.

Rosenblätter

Jeweils den Strunk unten abschneiden, die grünen Blätter (nicht die harten weißen) lösen. Die Blätter waschen und anschließend in ausreichend kochendes Salzwasser geben. Ca. 1 Minute kochen lassen, dann ganz kurz in eine Schüssel mit eiskaltem Wasser legen. Danach in eine Siebschüssel geben und mit einem Tuch locker abdecken.

Tagliatelle

Den vorbereiteten Nudelteig auf einer bemehlten dünn auswalken und mit einem Nudelroller oder einem Messer in dünne Streifen schneiden.
Die Nudeln ca. 4 bis 5 Minuten in Salzwasser kochen.

Nudeln

Zurück zu den Rosenblättern

20 g Butter in einer Pfanne zerlassen und die Rosenblätter darin andünsten. Mal ein Blatt testen, ob es Ihnen weich genug ist. Ich habe die Rosenblätter nicht mehr gewürzt, weil ich den puren Rosenkohl-Geschmack erhalten wollte.

Finish

Die Nudeln in eine Siebschüssel geben und etwas ausdampfen lassen.
Die Sauce erhitzen.
Die Nudeln auf einen Teller geben. Die Rosenblätter dazu. Etwas Sauce darüber und ein paar Zitronen-Zesten.
Ich habe auch noch etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer darüber rieseln lassen:)

Das war es. So mag ich Rosenkohl:) Sie auch?

Viele Grüße und gutes Gelingen

Herr Grün


Kommentare

  1. Wolfgang meint

    Lieber Herr Grün,

    ich habe schon einige Rezepte von Ihnen nachgekocht. Aber nicht das Rezept welches ich jetzt mit einem Kommentar versehe. Ich habe den Blog über Rosenkohl nur überflogen.

    Aber ich teilte die gleiche Leidenschaft zu Rosenkohl wie Sie selbst und habe der Versuchung ein Gericht mit Rosenkohl zu kochen, immer standhaft widerstanden, bis ich durch Zufall über dieses Rezept in der Süddeutschen gestolpert bin.

    http://www.sueddeutsche.de/stil/kochnische-zu-rosenkohl-so-schmeckt-es-auch-grossen-kindern-1.2219985

    Schon das Bild zu dem Rezept lies mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ich habe es seitdem mehrmals nachgekocht und auch an Ihrer Kreation werde ich mich einmal versuchen.

    Ich vermute Sie wird mir ähnlich munden wie das Rezept aus der Süddeutschen.

    P.S der Kohlrabi Kartoffel Auflauf der diesen Kommentar inspirierte, schmeckt übrigens hervorragend.

  2. Renate meint

    Lieber Herr Grün,
    ich liebe Rosenkohl, aber eben ist mir bewusst geworden, dass ich bei seiner Zubereitung auch relativ einseitig, um nicht zu sagen einfallslos geworden bin. Ihr Rezept macht mir große Lust mal was anderes zu probieren. Rosenkohl mit Pasta – auf die Kombination wäre ich nie gekommen. Und Zitronen-Kümmel-Sauce klingt köstlich. Danke für die Inspiration!

  3. Renate meint

    Hallo Herr Grün,

    schön, dass sie dem ungeliebten Gemüse ein Rezept gewidmet haben !
    Meine Familie und ich gehören zur Fraktion ” ja wir lieben Rosenkohl ” 😋
    Diese Art der Zubereitung ist für mich neu und werde ich auf jeden Fall ausprobieren.
    Allerdings müssen wir uns noch einige Zeit gedulden, bis diese kleinen “Kohl-Röschen” wieder auf dem Markt sind.
    Aber dann……
    Vielen Dank für die immer wieder tollen Ideen, verbunden mit einer netten Geschichte.

    Herzliche Grüße,
    Renate

  4. Dila vs. Kitchen meint

    Ein tolles Rezept. Für mich war Rosenkohl bis vor ein paar Monaten auch immer so ein Anti-Gemüse. Ich hatte aus meiner Kindheit bittere Rosenkohl-Stücke in Erinnerung und habe mich lange Zeit nicht mehr daran gewagt. Und dann hab ich es für mich entdeckt, die einzelnen Blätter abzuknibbeln und mit gebratenem Speck und bisschen Sahne zu verfeinern. Und siehe da: auf einmal schmeckte der Rosenkohl 🙂 Deine Variante werde ich auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten. Für den Fall, dass in einer meiner nächsten Bio-Kisten mal wieder Rosenkohl drin ist 😉
    Liebe Grüße
    Moni

    • Herr Grün meint

      Liebe Moni! Ich mochte Rosenkohl auch nie besonders. Da hab ich mir überlegt, wie ich ihn denn mögen würde. Das ist das Ergebnis:) Gutes Gelingen und viele Grüße – Herr Grün

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