Die Sonne scheint heute wunderbar. Ein Spätsommertag. Obwohl ich das Wort nicht so gern gebrauche. Es erzeugt Wehmut.
Der Professor sitzt im Garten auf seiner Bank und schreibt etwas. Eigentlich einen Roman – sagt er. Es geht auch ums Kochen. Ein Kochroman sei es aber nicht. Er tut geheimnisvoll. Ich frage nicht nach.
Den Klapptisch hat er auch schon gedeckt. Ich habe Polentaschnitten gekocht mit Rotwein-Pilzsauce. Dazu gibt es einen Salat mit Zwetschgen.
»Ob ich auch mal einen Roman schreibe?«, denke ich noch – halte mich bei dem Gedanken aber nicht auf. Das Essen muss nun auch – und möglichst warm – in den Garten.
…



Manchmal denke ich im Kochlabor darüber nach, was Menschen in vergangenen Zeiten so gegessen und wie sie es zubereitet haben. Welche Vorlieben hatten sie? Wo haben sie sich die Zutaten besorgt? Oft gerate ich dann ins Träumen. Bilder entwickeln sich vor meinem inneren Auge. Ich sehe einen Schäfer zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Er lebt in der Bretagne. Den ganzen Tag war er mit seiner Herde unterwegs. Es ist September. Schon recht frisch, aber die Sonne scheint. Ein schöner Herbsttag. Es ist sechs Uhr am Abend. Die Herde steht still auf der Wiese. Die Hunde haben nicht mehr viel zu tun. Liegen im Gras.