Farfalle Spoletino
Als ich dem Professor erzählte, dass die dänische Post Ende dieses Jahres die Briefzustellung nach 400 Jahren einstellt, wurde er sehr nachdenklich.
»Warum tun sie das? Briefe sind doch wichtig.«
Bei einem meiner Besuche im letzten Jahr war mir aufgefallen, dass die Briefmarke für eine Postkarte 8 €, ich glaube, das war der Betrag, kostete. Briefe und Postkarten spielen in Dänemark kaum noch eine Rolle. Fast alles wird digital übertragen.
Vor einigen Tagen, beim Nachmittagsespresso, übergab mir der Professor ein kleines Paket mit Umschlägen und Briefmarken. Er wünschte sich, ihm zu besonderen Essen eine Einladung zuzusenden.
»Niemand wird in zehn oder zwanzig Jahren nach Einladungs-, Freundschafts- oder Liebesmails suchen. Briefe sind Dokumente des Lebens und unersetzlich.«
Ich finde, das ist eine tolle Idee. Zur Zeit zeichne ich Einladungskarten. Eine erhielt er allerdings schon gestern – eine Einladung zum heutigen Mittagessen. Es gibt Farfalle Spoletino mit geschmorten Pilzen, frischem Rosmarin und… festgehalten auf einer Einladungskarte. Dokumentiert für alle Zeiten.
…

Bei der Rezeptentwicklung gehe ich sehr unterschiedlich vor. Es kommt natürlich auch auf das Gericht an. Und auf die Tagesform. Das Wetter. Tatsächlich spielt das Wetter eine große Rolle. Der Sound, der in mir entsteht. Der Rhythmus. Meistens wird er von der Sonne bestimmt. Vom Licht im Kochlabor.
»Nudeln soll man nicht ertränken.« Ein Lied mit diesem Titel wünsche ich mir von Max Raabe. Die Sauce sollte nur ganz leicht an ihnen kleben. Wie eine Zierde. Ein kulinarisches Accessoire. Geduldig ertragen sie es, wenn man sie in kochendes, gesalzenes Leitungswasser taucht. Vielleicht empfinden sie Pein und dennoch erwarten sie freudig ihren Auftritt. Mit Tomatensauce, Basilikumpesto oder besonderen Raffinessen. Mit offenen Armen empfangen Nudeln jeden kreativen Koch und jede Idee. Habt sie lieb. Lasst sie an der frischen Luft. Nur etwas Sauce. Das lieben Nudeln.