
»Gibt es eigentlich Sonnenweh?« fragte mich Professor Caprese beim Mittagessen und schaute mich merkwürdig forschend an.
»Sonnenweh? Sie meinen, wenn man sich nach der Sonne sehnt? Oft an sie denkt? Sich vorstellt, man würde auf einer Wiese in der Sonne liegen?«
»Ja genau, das meine ich.« Er nickte.
»Nein, in unserer Sprache gibt es das Wort nicht. Aber wir können es einfach erfinden.« Ich stand auf und sagte mit etwas Pathos in der Stimme: »Ich erkläre Sie, Professor Caprese, hiermit zum Erfinder des Wortes Sonnenweh.« Er schaute mich ganz gerührt und auch etwas stolz an.
»Wir können Ihre Wort-Erfindung mit einem kleinen Kuchen feiern. Ich habe nämlich zufällig einen kleinen Zitronenkuchen gebacken?«
Da war er restlos glücklich.
…
Rum-Trauben-Nuss-Kuchen
Professor Caprese liebt Rum-Trauben-Nuss-Schokolade. Er hat immer ein Stück dabei. In Papier eingewickelt, in kleinen Tüchern, in Dosen. Was er sich alles ausdenkt. Er glaubt, ich bemerke das nicht.
»Schauen Sie, Signore Grün, so einen Kuchen müsste es geben. Das wäre eine Erfindung. Eine Weltsensation.« Er legte eine ganze Tafel Rum-Trauben-Nuss auf den Tisch, öffnete sie, brach ein Stück ab, biss hinein und strahlte über das ganze Gesicht.
Mh – das war gar keine schlechte Idee. Dieses Jahr wohnte er schon zwei Jahre neben mir. Ein Jubiläum. Ich würde einen Kuchen für ihn backen. Sie ahnen sicherlich schon welchen.
Der kleine Napfkuchen wurde gesponsert von Bleywaren – ein Traditionsunternehmen seit 1827. Die haben mir alle Wünsche erfüllt. Ich konnte nicht widerstehen:)
Ich werde nun jeden Monat ein Gericht für Bleywaren veröffentlichen. Vorgaben gibt es keine. Ich darf kochen und backen, was ich will. Das ist super.
…
Millefeuille mit Vanillesahne
»Signore Grün, wenn wir einen Küchenausflug machen würden, wo würden wir hinfahren? Ich meine spontan.«
Mh – Küchenausflug? Das Wort hatte ich noch nie von ihm gehört. Sicherlich meinte er das Kochlabor. Aber ich hatte ihn und Luigi immer als Gäste betrachtet und nie als Mitarbeiter. Aber mir gefiel der Gedanke.
»Sie meinen, wir alle. Alle Mitarbeiter des Kochlabors?«
»Ja, wir. Sie, Luigi und ich. Wir sind doch die Crew des Kochlabors.« Er lächelte und sah auch irgendwie stolz aus.
»Ja, dann würde ich Paris vorschlagen. So eine schöne Stadt. Und die Patisserien.« Ich sah plötzlich alles genau vor mir.
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