»So ein Schietwetter!« Der Professor war wütend. Obwohl es schon Mai war, nieselte es leicht und es war etwas kühl. Hamburger Wetter halt. Aber bald sollte es wieder wärmer werden. Caprese stand im Garten mit einem aufgespannten Schirm und fluchte. Ich beobachtete ihn vom Kochlaborfenster aus.
›Schietwetter‹ hatte er noch nie gesagt. Es klang lustig aus seinem Mund. Aber er hatte recht. Da half nur eins: Ein scharfes Essen. Leicht orientalisch. Das mochte Caprese.
»Kommen Sie um zwölf zum Essen. Es wird scharf.« Ich machte eine Bewegung mit der Hand unter dem Kinn. Ich dachte, es sei eine typisch italienische Geste. Aber was es bedeutet, wusste ich nicht. Aber egal.
Heute gibt es also Erbsen-Kartoffel-Püree mit Minze und Chili-Kreuzkümmel-Möhren. Und danach Espresso und Mohn-Orangen-Nusskuchen. Das wird die Laune des Professors erheblich verbessern – da bin ich mir sicher.
…
Gegen Mittag rief Caprese an.
Während ich koche, höre ich meistens Musik. Die Zutaten und Kochwerkzeuge sind für mich wie Instrumente, mit denen ich die Musik begleite. Es wird geratscht, gehackt, geklackert. Es zischt, dampft und gurgelt. Die Küche ist voller Geräusche und Gerüche. Gleichzeitig denke ich über vieles nach. Die Fantasie spielt mit mir.