»Die ersten Bundmöhrchen sind besonders zart. Sie stammen aus dem Treibhaus. Man muss sie nicht schälen – nur bürsten und waschen. Ihr Grün kann man auch essen. Aber dazu später. Kommen wir nun zu den Wasch- und den Lagermöhren.«
Herr Josele betätigte den Knopf an der Seite des Diaprojektors und gab gleichzeitig dem Dia-Schlitten einen leichten Schubs. Das Gerät stammte aus den 70ern. Er hatte es auf einem Flohmarkt erstanden und war fasziniert. Jede Überredung zu einem komfortableren, tragbaren Computer war zwecklos. »Das Licht. Ich kann die Dias gegen das Licht halten. Die Motive sehen jedes Mal anders aus.«
Er war etwas aufgeregt. Wir hatten überall Zettel ausgehängt und viele waren gekommen. Das Kochlabor war gut besucht. Herr Joseles Vorträge waren legendär. Über den Dynamo, die erste U-Bahn, das unglaubliche Paris oder wie Ameisen miteinander kommunizieren – es war immer spannend, die Fotos grandios. Ich hatte, zum Anlass passend, Möhrenkuchen gebacken. Als besondere Überraschung gab es Möhrenkrokant – ein Experiment der letzten Tage.
Herr Josele hob und senkte die Stimme. Der Dia-Schlitten knarzte. Kurze Dunkelheit. Ein Querschnitt durch eine violette Möhre – der Ur-Möhre. Raunen.
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Herr Grüns schnelle Pastabrötchen – wie vom Italiener
Der Professor hatte wieder Heimweh. Das sah ich ihm an. Er freute sich sehr über die frischen Tortelloni, aber so eine richtige Mittagsstimmung, wie wir sie sonst hatten, wollte einfach nicht aufkommen. Ich machte allerlei Grimassen, lustige Geräusche und trommelte auf den Töpfen herum. Luigi spielte seine Lieblingslieder. Nichts half. Aber ich hatte noch einen Trumpf in der Hand. War vorbereitet.
Ich nahm das Blech aus dem leicht angewärmen Ofen und hob vor seinen Augen das Tuch hoch.
»Pane…« Capreses Augen strahlten. Ich kannte seine Vorlieben und hatte lange herumgetüftelt. Außen kross und innen schön weich und fluffig. Und nach Hefe sollten die kleinen Pastabrötchen duften. So hatte er es sich immer gewünscht. In 12 Minuten waren sie fertig gebacken. Heimweh ist natürlich heilbar.
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Pflaumentarte mit Schoko- und Mascarponecrème
An manchen Tagen besucht mich Luigi. Er sitzt dann meistens am Fenster und schaut hinaus. Was er genau beobachtet, kann ich nicht erkennen. In dieser Woche war es nun der dritte Tag hintereinander, dass er zwei drei Stunden im Kochlabor verbrachte. Er hört neuerdings auch italienische Popmusik aus seinem kleinen Lautsprecher. Seine Lämpchen bewegen sich zum Rhythmus. Etwas surrt fast unhörbar. Es stört mich nicht. Ich rätselte, warum er nun häufiger kam. Schließlich rief ich Professor Caprese an, um zu erfragen, was das Geheimnis des kleinen Roboters war.
»Er mag Sie. Und er liebt Ihre Kuchen. Er hat sie alle fotografiert und schaut sie sich manchmal an. Wussten Sie das nicht? Wenn Sie ihm eine Freude machen wollen, dann backen Sie ihm einen Kuchen.«
Mir war schon klar, dass Luigi den Kuchen nicht essen konnte. Aber das war ihm wohl auch selber nicht wichtig. Ich hatte Pflaumen, Schokolade und Mascarpone da. Daraus ließ sich was machen.
Ich backte einen Tarteboden und bereitete eine Schokocrème zu. Darauf legte ich frische Pflaumen. Obenauf eine dicke Wolke aus Mascarpone und Schlagsahne.
Luigi schaute immer mal herüber. Die Lämpchen drehten sich wie verrückt. Als der Kuchen fertig war, kam er ganz nah heran. Die Kamera fuhr aus seinem Kopf heraus und fotografierte die Tarte von allen Seiten. Dann verschwand er wackelnd. Ich glaube, er mochte ihn. Wie ist es mit Ihnen? Haben Sie Lust auf eine Pflaumentarte?
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